OFFENBARUNG ODER ANPASSUNG?

 

Obwohl die Mormonenführer äußerst still über die Änderungen in der Tempelzeremonie gewesen sind, berichtete John Dart, dass folgendes in einer Aussage durch Kirchenführer auftauchte: „Wir sind eine Kirche, die an moderne und fortlaufende Offenbarung glaubt, und die Änderungen, die kürzlich in unserer Tempelzeremonie vorgenommen wurden, spiegeln diesen Prozess wider…“ (Los Angeles Times, 5. Mai 1990)

Eine wachsende Anzahl von Mormonen beginnt zu glauben, dass das, was von Kirchenführern „Offenbarung“ genannt wird, nicht wirklich Offenbarung von Gott ist, sondern eher „eine Anpassung“ an die Sichtweisen der Welt. Eine Reihe von Dingen, die seit 1890 passiert sind, führen zu dieser Schlussfolgerung. Die Änderungen in Bezug auf Polygamie, die Schwarzen und das Tempelendowment weisen alle in diese Richtung. Der Prozess „moderner und fortlaufender Offenbarung“ könnte wahrscheinlich in der folgenden Formel zusammengefasst werden: Kritik an einer bestimmten Lehre oder Praktik von außerhalb der Kirche + die Akzeptanz dieser Kritik von Mormonengelehrten und Prominenten = „Offenbarung“.

Nehmen Sie zum Beispiel die Ausübung der Vielehe. Joseph Smith behauptete, am 12. Juli 1843 eine Offenbarung von Gott empfangen zu haben, dass von der Mormonenkirche die Vielehe praktiziert werden müsste. Diese Offenbarung wird immer noch in Lehre und Bündnisse der Kirche, Abschnitt 132, veröffentlicht. Interessanterweise war dieses Ehesystem ein äußerst wichtiger Teil der Siegelungszeremonien, die immer noch im Tempel für „Zeit und Ewigkeit“ vollzogen werden. Viele Jahre lang lehrten die Mormonenführer, dass Tempelehe und Vielehe zusammen stehen oder fallen. Apostel Orson Pratt betonte zum Beispiel: „wenn die Vielehe nicht wahr ist, oder in anderen Worten, wenn ein Mann kein göttliches Recht hat, zwei oder mehr Frauen in dieser Welt zu heiraten, dann ist die Ehe für die Ewigkeit nicht wahr und unser Glaube ist vergebens und all die siegelnden Verordnungen und Mächte, die zur Ehe für die Ewigkeit gehören sind vergebens, wertlos, für nichts gut; für uns ist es sicher, wenn die eine wahr ist, dann muss die andere auch wahr sein. Amen.“ (Journal of Discourses, Bd. 21, S. 296)

Nichtmormonen kämpften natürlich energisch gegen die Ausübung der Vielehe. Außerdem verfolgte die Regierung der Vereinigten Staaten Mormonen, die in diese Praktik verwickelt waren. Am 16. Jan. 1886 wurde Lorenzo Snow, der später der fünfte Prophet der Mormonenkirche wurde, zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Als der anklagende Anwalt voraussagte, wenn Apostel Snow für schuldig erklärt werden würde, dass „bald eine neue Offenbarung folgen würde, die das göttliche Gesetz der celestialen Ehe ändern würde“, antwortete Snow nachdrücklich: „Auf die ernstesten Verfolgungen sind die Offenbarungen gefolgt, die ein göttliches Gesetz ändern, auf dessen Befolgen hin man ins Gefängnis oder zum Märtyrertod gebracht werden würde. Obwohl ich ins Gefängnis gehen werde, wird Gott sein Gesetz der celestialen Ehe nicht ändern.“ (Historical Record, 1887, Bd. 6, S. 144)

Die Dinge verschlechterten sich für die Mormonenführer. Nicht nur wuchs der Druck von außen, sondern die Mitglieder wurden von der Opposition beeinflusst. John Taylor, der der dritte Prophet der Kirche war, prangerte diejenigen ernsthaft an, die diese Praktik aufgeben wollten: „Gott hat uns eine Offenbarung in Bezug auf die celestiale Ehe gegeben. Ich habe sie nicht gemacht. Er hat uns bestimmte Dinge in Bezug auf diese Angelegenheit gesagt und sie hätten es gern, dass wir diesen Grundsatz abmildern, und ändern und ihn den Ansichten von heute anpassen würden. Dies können wir nicht tunIch kann es nicht tun und werde es nicht tun. Ich finde einige Männer, die auf jede Art und Weise versuchen, sich um diesen Grundsatz herum zu winden. Sie wollen sich auf eine Weise heraus schleichen. Nun möchte Gott keine Form von Kriecherei, wie diese… Wenn Gott uns etwas für unsere Herrlichkeit und Erhöhung eingeführt hat, dürfen wir es nicht wegschießen durch irgendeinen schlechten Einfluss entweder innerhalb oder außerhalb der Kirche des lebendigen Gottes. (Journal of Discourses, Bd. 25, S. 309-310)

Apostel Pratt argumentierte: „Gott hat uns Heilige der Letzten Tage gesagt, dass wir verdammt sein werden, wenn wir nicht in diesen Grundsatz eintreten; und dennoch habe ich jetzt und damals gehört… dass ein Bruder oder eine Schwester sagte: ‚Ich bin ein Heiliger der Letzten Tage, aber ich glaube nicht an Polygamie.’ O, was für eine absurde Äußerung!... Wenn die Lehre der Polygamie, wie den Heiligen der Letzten Tage offenbart, nicht wahr ist, würde ich keine Feige für alle unseren Offenbarungen geben, die durch Joseph Smith, dem Propheten, gekommen sind; ich würde auf sie alle verzichten… Der Herr hat gesagt, dass diejenigen, die seine Grundsätze verwerfen, ihre Erlösung verwerfen, sie werden verdammt sein, sagt der Herr… Ich möchte prophezeien, dass alle Männer und Frauen, die sich gegen die Offenbarung wenden, die Gott in Bezug auf die Polygamie gegeben hat, sich in der Finsternis finden werden… sie werden schließlich zur Hölle hinab gehen und verdammt sein, wenn sie nicht Buße tun.“ (Journal of Discourses, Bd. 17, S. 224-225)

Trotz all der starken Rhetorik, die von den Mormonenführern angewendet wurde, setzte Wilford Woodruff, der vierte Prophet der Kirche, 1890 die Ausübung der Polygamie aus, als er das Manifest (siehe Lehre und Bündnisse, Amtliche Erklärung – 1) herausbrachte. Präsident Woodruff verkündete, dass das Manifest durch Offenbarung von Gott gegeben wurde: „… der Herr… gibt uns Offenbarung… Der Herr zeigte mir durch eine Vision und Offenbarung genau das, was sich ereignen würde, wenn wir diese Praktik nicht einstellen würden. Wenn wir sie nicht eingestellt hätten… wären alle Verordnungen eingestellt worden… und viele Männer wären ins Gefängnis gegangen… der Gott des Himmels gebot mir, das zu tun, was ich getan habe… Ich ging vor den Herrn und ich schrieb, was der Herr mir zu schreiben gebot…“ (Evidences and Reconciliations, 3 Bände in 1, S. 105-106) An Hand der Beweise, die wir in Mormonism – Shadow or Reality?, S. 231-234, vorlegen, ist es offensichtlich, dass Präsident Woodruff dem Druck von Nichtmormonen als auch von Mitgliedern seiner eigenen Kirche nachgab und das Manifest herausgab, das schließlich die Ausübung der Vielehe innerhalb der Kirche beendete.

 

Vor dem 9. Juni 1978 hatte die Mormonenkirche eine Lehre, die von Außenseitern die „Antischwarzenlehre“ genannt wird, weil Schwarzen das Priestertum verboten war. Die Grundlage für diese Lehre war Joseph Smiths Buch Abraham (veröffentlicht in der Köstlichen Perle, einer der vier Standardwerke der Kirche). Joseph Smith schrieb, „dass von Ham die Rasse entsprang, die den Fluch im Land aufrecht erhielt“. Die Schwarzen wurden als Nachkommen Hams identifiziert und waren „verflucht… in Bezug auf das Priestertum“. (Köstliche Perle, Buch Abraham, 1:21-26) Es wurde gelehrt, dass sogar „ein Tropfen Negerblut“ eine Person daran hindern würde, das Priestertum zu tragen, für die Ewigkeit im Tempel zu heiraten oder gar durch die Endowmentzeremonie zu gehen (siehe Race Problems – As They Affect The Church, von Mark E. Peterson, 27. August, 1954). Bruce R. McConkie, der später eine Apostel wurde, erklärte plump: „Negern wird in diesem Leben das Priestertum verweigert; unter keinen Umständen können sie diese Abordnung der Vollmacht vom Allmächtigen tragen. Die Evangeliumsbotschaft wird ihnen nicht zu ihnen gebracht… Neger sind nicht mit anderen Rassen gleich, was das Empfangen bestimmter geistiger Segnungen betrifft…“ (Mormon Doctrine, 1958, S. 477)

 

Es gab in den 1950ern eine Menge Diskussionen in Bezug auf die Bürgerrechte. 1959 druckten wir unsere erste Kritik an der Mormonenlehre in Bezug auf die Schwarzen. Schon 1963 glaubten wir, dass es wahrscheinlich wäre, dass die Mormonenführer eine neue „Offenbarung“ in Bezug auf die Schwarzen haben würden und druckten ein Blatt mit dem Titel: „Wird es in Bezug auf den Neger eine Offenbarung geben?“ Unten auf diesem Blatt sagten wir voraus: „Wenn der Druck bezüglich der Negerfrage weiter zunimmt, wird die Mormonenkirche wahrscheinlich eine weitere Offenbarung haben, die es den Negern gestatten wird, das Priestertum zu tragen.“ Über die Jahre druckten wir weiter eine Menge Material über das Thema der Schwarzen und das Priestertum. Obwohl es einige Mormonen gab, die Zweifel an der Antischwarzenlehre hatten, waren damals sehr wenige bereit, die Kirche öffentlich zu kritisieren. Wir wurden für den Standpunkt, den wir einnahmen ausgelacht, aber wir beharrten auf der Herausforderung dieser Lehre und eine Reihe von Mormonen begann, unsere Arbeit ernst zu nehmen.

Der Druck auf eine Änderung in der Lehre in Bezug auf die Schwarzen stieg weiter innerhalb und außerhalb der Kirche an. Schließlich brachte am 9. Juni 1978 die mormonenkircheneigene Deseret News eine Aufsehen erregende Bekanntmachung von der Ersten Präsidentschaft heraus, die besagte, dass eine neue Offenbarung gegeben worden wäre und dass den Schwarzen erlaubt werden würde, das Priestertum zu tragen: „… wir haben uns lange und ernsthaft eingesetzt… den Herrn demütig um göttliche Führung angefleht. Er hat unsere Gebete erhört und durch Offenbarung hat er bestätigt, dass der lang versprochene Tag gekommen ist… alle würdigen Mitglieder der Kirche können zum Priestertum ordiniert werden, ungeachtet der Rasse und Hautfarbe.“ Kurz nachdem diese Offenbarung empfangen wurde, wurde es klar, dass der Kirchenbann auf der Ehe mit Schwarzen aufgehoben worden war. Am 24. Juni 1978 gab die Kirchenzeitung bekannt, dass „dem ersten Schwarzen, der das Priestertum erhalten hat“ erlaubt war, durch das Tempelendowment zu gehen und an seine Frau für Zeit und Ewigkeit gesiegelt zu werden.

Wie die Polygamie-Offenbarung wurde die Offenbarung von Präsident Spencer W. Kimball, die den Schwarzen das Priestertum gewährte, nur nach erheblichem Druck gegeben, der durch nichtmormonische Kritiker und Mitglieder der Kirche selbst ausgeübt wurde.

In Bezug auf die jüngste Revision der Tempelzeremonie ist es klar, dass die „Offenbarung“ auf dieselbe Weise kamen wie die Änderungen in Bezug auf die Polygamie und die Schwarzenlehre. In der Einleitung unseres Drucks von Temple Mormonism von 1964 zeigten wir auf, dass „eine ziemliche Anzahl von Änderungen vorgenommen wurde, seit die Tempelzeremonie das erste Mal eingeführt wurde“. Wir gingen weiter und sagten voraus, dass „es wahrscheinlich weitere Änderungen in der Tempelzeremonie geben würde, während die Zeit fortschreitet“.

 

Wie wir schon gezeigt haben, veröffentlichten wir nach dem Druck von 1964 des Temple Mormonism im Jahr 1969 eine Version des neuesten Standes der Endowmentzeremonie in The Mormon Kingdom, Bd. 1. Dieselbe Version wurde in Mormonism – Shadow or Reality? 1972 gedruckt und man findet sie immer noch in diesem Buch. Zusätzlich schlossen wir in unserem Buch The Changing World of Mormonism, veröffentlicht 1980 von der Moody Press, Teile der Endowmentzeremonie mit ein. Wir haben auch erwähnt, dass Chuck und Dolly Sackett die Zeremonie in einer Broschüre veröffentlichten und Tonbänder der tatsächlichen Zeremonie verteilten. Andere verbreiteten die Zeremonie oder Teile davon in Büchern, Broschüren, Traktaten, Filmen und Tonbändern.

 

Obwohl die Mormonenkirche vollkommen über die Lage die Kontrolle verloren und keinen Weg hatte, die Zehntausende von Kopien des Endowments, die dabei waren, in der ganzen Welt verteilt zu werden, aufzuhalten, wagten sich die meisten Mitglieder, die das Gefühl hatten, dass etwas mit dem Ritual nicht stimmte, nicht, offen zu protestieren. Sie fürchteten, dass sie einen strengen Verweis bekommen würden, wenn sie zu diesem Thema ihre Stimme erheben würden. 1987 wurde aber ein bemerkenswert offener Artikel von David John Buerger in Dialogue: A Journal of Mormon Thought abgedruckt, einer lieberalen Mormonenpublikation, die nicht von der Kirche kontrolliert wird. In diesem Artikel gibt Buerger zu, dass es „ernste Hinweise gibt, dass Joseph Smith Freimaurerriten bei Gestaltung der Tempelriten heranzog und sich besonders die Kennzeichen, Zeichen und Strafen ausborgte“. (Dialogue: A Journal of Mormon Thought, Winter 1987, S. 45)

Mr. Buerger ging sogar noch weiter, indem er vorschlug, dass es nötig wäre, dass die Kirchenführer in Betracht ziehen, Änderungen in der Zeremonie vorzunehmen, um den abnehmenden Zahlen der Anwesenheit an den Endowmentzeremonien Rechnung zu tragen:

 

„Die Anzahl der sich in Betrieb befindlichen Tempel ist dramatisch angestiegen… Eine Analyse der Verordnungsdaten zeigt aber, dass das Maß der Tempelarbeit in den letzten fünfzehn Jahren relativ konstant geblieben ist… Die Mitglieder meines eigenen Pfahles machten 1985 2671 Besuche im Oakland-Tempel gegenüber 3340 Besuchen im Jahr 1984 – ein Rückgang der Aktivität von 20 Prozent… Ohne das Verhalten der Pfähle in anderen Tempeldistrikten zu vergleichen, ist es unmöglich zu sagen, wie maßgeblich mein Pfahl sein könnte.

Diese abnehmenden Zahlen lassen vermuten, dass viele Heilige der Letzten Tage offensichtlich nicht umfassend an stellvertretenden oder eigenen Endowments teilnehmen. Die Notwendigkeit einer Neubewertung kann zumindest diskutiert werden. Wie die Geschichte des Endowments zeigt, wurden bestimmte Zugeständnisse und Änderungen in der Prozedur 1845, 1877, 1883, 1893, 1919-27, in den frühen 1960ern und 1968-72 vorgenommen…

Die Gefühle, die zeitgenössische Heilige für den Tempel haben, verdienen eine sorgfältige quantitative Analyse von professionellen Sozialwissenschaftlern. Ich habe eine Reihe von Aufsätzen von Leuten gehört, die sich zu einem oder anderen Grad in Bezug auf Elemente der Tempelzeremonie unwohl fühlen… Wahrscheinlich begegnen die meisten Mormonen in keinem anderen Umfeld, außer in College-Organisationen mit ihren einher gehenden Gemeinschaften der Jugend und des möglichen Erwachsenseins, ‚geheimen’ Zeremonien mit Code-Handgriffen, Kleidung, die besondere Bedeutung hat, und was vielleicht die meisten beunruhigt, mit der angedeuteten Gewalt  der Strafen. Verschiedene Personen haben über ihre Schwierigkeiten kommentiert, diese Elemente als ‚religiös’ oder ‚inspirierend’ anzusehen, die ihren Ursprung in einem seine Kinder liebenden Vater haben sollen… einige fühlen ebenfalls angesichts der Darstellung eines christlichen Geistlichen als bezahlten Diener Satans unbehaglich…

Sechstens. Die Endowmentzeremonie stellt die Frauen immer noch als dem Manne unterwürfig dar, nicht als gleichberechtigt in der Beziehung zu Gott. Zum Beispiel geloben die Frauen, ihren Ehemännern in Rechtschaffenheit zu gehorchen, während er derjenige ist, der als Mittler zu Gott handelt… Einige finden den Tempel für die tieferen Strömungen ihres christlichen Dienstes und Gottesdienstes irrelevant. Einige geben den Stumpfsinn zu. Andere beschreiben ihre Motivationen für einen fortwährenden und regelmäßigen Tempelbesuch als Gefühle der Hoffnung und Geduld  - Glaube, dass sie durch ständigen Besuch positivere Gefühle entwickeln werden… Oft fühlen sie sich unwürdig oder schuldig wegen dieser Gefühle, da der Tempel so einstimmig als Gipfel der geistigen Erfahrung für ernsthafte Heilige der Letzten Tage dargestellt wird… Das Endowment hat sich als Antwort auf die Bedürfnisse der Gemeinschaft stark gewandelt. Offensichtlich hat es die Fähigkeit sich noch weiter zu verändern, wenn die Notwendigkeit aufkommt… Aus einer streng funktionalen Perspektive heraus scheint der Aufwand an Zeit, um ein stellvertretendes Endowment abzuschließen, übertrieben.“ (Dialogue: A Journal of Mormon Thought, Winter 1987, S. 63, 66-69)

 

Der Leser wird bemerken, dass David John Buerger das Gefühl hatte, dass es eine „sorgfältige quantitative Analyse von professionellen Sozialwissenschaftlern“ geben sollte, um heraus zu finden, warum die Tempelanwesenheit abgenommen hat. Obwohl es einfach nur ein Zufall sein könnte, ist es interessant festzustellen, dass innerhalb von Monaten nach der Veröffentlichung des Buerger-Artikels die Mormonenkirche ihre eigene Umfrage über die Meinungen der Mitglieder zur Tempelarbeit machte. In den Anweisungen für die Umfrage an erwachsenen Mitgliedern der Vereinigten Staaten und Kanada erschien folgendes: „… wir haben diese Umfrage entwickelt, um uns Ihre Gedanken, Gefühle und Erfahrungen in Bezug auf den Tempel und die genealogischen Aktivitäten verstehen zu helfen… außer Ihnen werden 3400 weitere Mitglieder in den Vereinigten Staaten und Kanada gebeten, an diesem Projekt teil zu nehmen… Wir hoffen, dass Sie das Gefühl haben, dass Sie bei Ihrer Beantwortung aufrichtig und offen sein können…. was Sie schreiben, wird anonym bleiben. Wir werden nicht in der Lage sein, Ihren Namen mit dem Fragebogen, den Sie ausfüllen, in Zusammenhang zu bringen.“ Diese Umfrage sollte „zum 30. MÄRZ“ 1988 per Post zurück geschickt werden.

Obwohl Frage 28 die Person, die durch das Endowmentritual gegangen war, fragt, ob er oder sie “sich durch das Erlebnis geistig aufgerichtet fühlen“, sondiert sie auch, ob das Erlebnis unangenehm war „oder ob die Person“ durch das, was geschah, verwirrt war. Fr. 29 lautet: „Beschreiben Sie kurz, wie Sie sich nach dem Empfang des eigenen Endowments fühlten.“ Auf der Fotokopie, die wir besitzen, hat der Antwortende geschrieben: „Seltsam“. Fr. 37-k fragte, ob die Person es „anstrengend fand, zum Tempel zu gehen“. Fr. 39-b fragte, ob die Person „während der Session einschlief“. Es wurden auch Fragen gestellt, ob die Person wirklich glaubte, dass „der Präsident der HLT-Kirche ein Prophet Gottes ist“, oder ob „die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage die einzig wahre Kirche auf Erden ist“. (Fr. 70a-b) Es gab auch eine Frage, ob es irgendwelche „Zweifel in Bezug auf bestimmte HLT-Lehren“ gäbe. (Fr. 77-g) Eine Seite am Ende des Fragebogens wurde für den Fall frei gelassen, dass die Person irgendwelche zusätzlichen Dinge über die Gefühle oder Aktivitäten im Tempel oder in Bezug auf die genealogische Arbeit zu schreiben hätte…“

Obwohl unsere Fotokopie der Seite, die die „Bemerkungen“ enthielt, verblasst und schwierig zu lesen ist, scheint es, dass die Frau, die die Umfrage ausfüllte, zugab, dass sie den Glauben an der Kirche verloren hatte. Dies wird durch ihre Antworten auf die Fragen 77 und 78 gestützt. Der „Hauptgrund, an den Diensten der Kirche nicht teil zu nehmen“ wird wie folgt aufgelistet: „Ich habe Zweifel an bestimmten HLT-Lehren.“ Allem Anschein nach war die Umfrage der Mormonenkirche ein Fühler, um heraus zu finden, welche Änderungen in der Zeremonie vorgenommen werden sollten und wie sie von Mitgliedern angenommen würden.

Während viele Mormonen zweifellos in ihrem Glauben feststehen werden, dass die Entscheidung, die Zeremonien zu ändern, durch direkte Offenbarung von Gott kam, scheinen die Beweise zu zeigen, dass die Veröffentlichung der Tempelzeremonie und die Einwände durch Nichtmormonen zusammen mit der Kritik von innerhalb der Kirche (wie durch David John Buergers Artikel in Dialogue: A Journal of Mormon Thought bewiesen) die Mormonenführer zwang, eine Umfrage zu starten, um heraus zu finden, warum die Zahl der Tempelbesuche gefallen war und was die Mitglieder eigentlich über die Endowmentzeremonie fühlten. Die Ergebnisse dieser Umfrage müssen darauf hingewiesen haben, dass eine bedeutende Anzahl von Leuten, Teile der Zeremonie anstößig fanden. Folglich wurde eine neue „Offenbarung“ gegeben, um das Ritual für das Mormonenvolk ansprechender zu machen. Dies scheint die Formel zu bestätigen: Kritik an einer bestimmten Lehre oder Praktik von außerhalb der Kirche + die Akzeptanz dieser Kritik von Mormonengelehrten und Prominenten = „Offenbarung“.

 

In den frühen Tagen der Mormonenkirche hatte das Wort „Offenbarung“ eine völlig andere Bedeutung als heute. Joseph Smith benutzte oft das Wort, um auf irgendeine neue Lehre hinzuweisen, von der er behauptete, dass Gott selbst sie ihm offenbart hätte. Einige seiner „Offenbarungen“ waren äußerst unbeliebt, aber dies bekümmerte ihn nicht sehr. Nehmen wir zum Beispiel seine „Offenbarung“ in Bezug auf die Polygamie. Trotz der Tatsache, dass viele Mitglieder der Kirche heftig gegen diese Lehre waren, fuhr er fort, die Praktik heimlich zu verfechten und sich zusätzliche Frauen zu nehmen. Anders als die heutigen Führer hatte er nicht das Gefühl, dass es notwendig wäre, eine Umfrage zu machen und die Lehre den Meinungen anderer passend zu machen. Während wir nicht glauben, dass die „Offenbarung“ über Polygamie von Gott kam, und wir sehr gegen diese Praktik sind, müssen wir zugeben, dass Smith sich durch die öffentliche Meinung nicht leicht ins Wanken bringen ließ.

 

Während Joseph Smith das Wort „Offenbarung“ benutzte, um auf kontroverse neue Lehren zu verweisen, die er für die Kirche hervorbrachte, haben spätere Propheten dasselbe Wort in einem Versuch benutzt, genau die Lehren zu vernichten, von denen Joseph Smith behauptete, dass sie göttlich inspiriert wären. Als Präsident Wilford Woodruff behauptete, dass er eine „Offenbarung“ hätte, um der Ausübung der Vielehe in der Kirche Einhalt zu gebieten, fügte er keine neue Lehre hinzu. Stattdessen warf er eine Lehre Smiths über Bord, die Smith als für die Erlösung lebenswichtig lehrte. Wenn die Information, dass Polygamie nicht ausgeübt werden sollte, eine „Offenbarung“ wäre, dann haben Christen sie eigentlich zuerst empfangen. Lange bevor der Mormonismus begann, verdammten sie diese Praktik.

Einige Leute zeigen heute auf die “Offenbarung”, die Spencer W. Kimball, der 12. Prophet der Kirche, in Bezug auf die Schwarzen gab, als Beweis dafür, dass die Kirche immer noch durch Offenbarung geführt wird. Nichts könnte von der Wahrheit weiter entfernt sein. Präsident Kimball offenbarte der Welt keine neue Wahrheit. Stattdessen vernichtete er eine Lehre, die aus Joseph Smiths eigenem „Buch Abraham“ kam – eine Lehre, an der die Propheten der Kirche hartnäckig festhielten, bis von innerhalb und außerhalb der Kirche der Druck zu groß wurde, so dass er gezwungen war, das Thema aufzugeben. Millionen von Christen und sogar eine große Anzahl von Mormonen hatten diese „Offenbarung“ viele Jahre, bevor Präsident Kimball seine Antwort erhielt, empfangen.

So weit wir wissen hat die jüngste „Offenbarung“, dass die Tempelzeremonie geändert werden sollte, kein neues oder wichtiges Material hervorgebracht. Stattdessen ist sie eine Verstümmelung dessen, was angeblich durch eine „Offenbarung“ an den Propheten Joseph Smith hervor gekommen ist. Dinge, die früher als „höchst heilig“ angesehen wurden, wurden aus dem Ritual gestrichen. Viele Jahre lang haben Christen gegen genau die Dinge gesprochen, die jetzt entfernt worden sind. Warum hatte es so lange gedauert bis die Mormonenführer ihre „Offenbarung“ zu diesem Thema erhielten? Der liberale Mormone David John Buerger scheint die „Offenbarung“ einige Zeit, bevor die Kirchenführer die Zeremonie änderten, gehabt zu haben.

Es scheint, dass es für die meisten glaubenstreuen Mormonen sehr schwierig ist, die Bedeutung dessen zu begreifen, was wirklich in der Kirche vor sich geht. Die Hinweise sind einfach zu verheerend, um ihnen ins Gesicht zu sehen. Die folgende hypothetische Illustration mag dem mormonischen Leser helfen, die Sache in eine Perspektive zu bringen: Wenn wir sagen sollten, dass Gott uns eine „Offenbarung“ gegeben hätte, dass die Taufe nicht mehr ausgeübt werden soll, würden die Mitglieder der Kirche protestieren, dass dies keine wahre Offenbarung sein könnte. Sie würden ohne Zweifel behaupten, dass wir nur eine „Offenbarung“ vortäuschten, als Vorwand, um eine wichtige Verordnung aus den Lehren Christi zu entfernen, und würden sogar unterstellen, dass wir uns schämen würden, im Beisein einer Menschenmenge nass zu werden.

Für diejenigen, die sehr aufmerksam sind, ist es offensichtlich, dass das Wort „Offenbarung“ wirklich als Deckmantel für das benutzt wird, was in der Kirche vor sich geht. Kirchenführer vernichten wirklich die ursprünglichen Lehren Joseph Smiths auf sehr schleichende Weise. Jedes Mal, wenn sie einen Teil entfernen, den Smith als lebenswichtig ansah, verkleiden sie die Aktion, indem sie sagen, dass sie eine neue „Offenbarung“ von Gott ist. Wann werden die Leute aufwachen und erkennen, was vor sich geht? Wir stimmen natürlich zu, dass Joseph Smiths Lehren voller Fehler sind. Wir meinen tatsächlich, dass durchgreifende Änderungen nötig sind, aber wir glauben nicht, dass es ehrlich ist, es unter der Verkleidung von „Offenbarung“ zu tun. Stattdessen sollten die Generalautoritäten der Kirche offen zugeben, dass sie das Gefühl haben, dass Joseph Smith von christlichen Lehren abwich, und dann einen Plan aufstellen, um die Änderungen, die zu machen sind, in die Tat umzusetzen. Es scheint aber offensichtlich, dass sie dies nicht tun werden, weil sie wissen, dass sie Macht über das Volk verlieren werden. Es ist viel leichter zu sagen, dass der Prophet eine neue „Offenbarung“ gehabt hatte, und das „markiert“ natürlich das Ende der Kontroverse. O. Kendell White hat aufgezeigt, dass der Anspruch der Mormonenführer auf „fortlaufende Offenbarung“ in Wirklichkeit ein Mechanismus ist, den sie benutzen, um dem Eingeständnis der „Irrtümer der Vergangenheit“ auszuweichen. Dies führt natürlich zu dem Eindruck, dass „die Kirche niemals irrt“.

Obwohl sie es nie zugeben würden, scheint es wegen der Änderungen, die sie am Tempelritual vornahmen, dass die gegenwärtigen Führer der Kirche erkennen, dass Teile der Zeremonie nicht von Gott waren – zumindest nehmen wir an, dass sie diese Teile nie geändert hätten, wenn sie wirklich glaubten, dass sie von Gott kamen. Sie müssen deshalb zustimmen, dass wir mit unserer Behauptung, dass die Strafen, die sie selbst aus der Zeremonie, in Wirklichkeit von der Freimaurerei abgeleitet wurden. Es ist sicher traurig, dass sie trotz aller Beweise, die sie in ihrem Besitz haben, dass das Endowmentritual menschengemacht ist, es vorziehen zu schweigen.

Tempelarbeit

Dieses Kapitel wird später durch das gleichnamige Kapitel aus "Mormonismus - Schatten oder Wirklichkeit?" ersetzt
Der Tempel

Der Verfasser schildert seinen ersten Durchgang durch den Tempel. Hierbei werden der vollständige Endowmenttext aufgeführt und die Handlungen der damaligen Zeit (1974) beschrieben.
Tempelritual geändert

Dieser Artikel des Salt Lake City Messenger Nr. 75 schildert die großen Änderungen im Tempelendowment im April 1990 und beleuchtet die Hintergründe, die dazu geführt haben könnten.
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