KEINE STRAFEN MEHR

 

Wir haben schon angemerkt, dass die Mormonenführer jetzt die „höchst heiligen“ Strafen entfernt haben, die in der Tempelzeremonie seit den Tagen Joseph Smiths vorhanden gewesen sind. Wir haben das Gefühl, dass dies wirklich eine Rechtfertigung für unsere Arbeit und der vielen anderen ist, die mit den Mormonen arbeiten.

Wir haben immer das Gefühl gehabt, dass diese Strafen mit den christlichen Lehren nicht vereinbar waren und haben mehr als zwanzig Jahre lang stark in Druckform gegen sie gekämpft. Wir haben fortwährend unseren Glauben zum Ausdruck gebracht, dass Joseph Smith die Strafen vom Freimaurertum ausborgte, nachdem er sich dieser Geheimorganisation angeschlossen hatte. Obwohl Freimaurertum in den späten 1820ern sehr unbeliebt geworden war, schämte sich Smith nicht seiner Vereinigung mit der Loge im Jahre 1842. Folgendes erscheint in Joseph Smiths History unter dem Datum des 15. März 1842: „Am Abend erhielt ich den ersten Grad im Freimaurertum in der Nauvoo Loge…“ (History of the Church, Bd. 4, S. 551) Der Eintrag für den folgenden Tag enthält folgende Aussage: „Mittwoch, 16. März  - Ich war in der Freimaurerloge und stieg zum erhabenen Grad auf.“ (S. 552)

Die Freimaurer hatten einige sehr blutige Gelöbnisse in ihrem Ritual. Capt. William Morgan, der dreißig Jahre lang ein Freimaurer gewesen war, entblößte diese Gelübde in einem 1827 gedruckten Buch. Nach Veröffentlichung seines Buches Freemasonry Exposed verschwand Morgan und dies rief die größte Kontroverse über Freimaurerei hervor, die immer noch wütete, als Joseph Smith das Buch Mormon schrieb. Auf jeden Fall offenbarte Morgan auf den Seiten 21-22 seines Buches die Gelübde, die Freimaurer im „Ersten Grad“ ihres Rituals auf sich nehmen: „…Ich werde… niemals einen Teil oder Teile, Kunst oder Künste, Punkt oder Punkte der heiligen Künste und Mysterien des altertümlichen Freimaurertums preisgeben… und verpflichte mich zu keiner geringeren Strafe, als mir die Kehle quer durchschneiden, meine Zunge an den Wurzel herausreißen zu lassen…“ Auf Seite 23 fährt Morgan fort und zeigt, dass die Freimaurer, die durch den ersten Grad gehen, auch belehrt werden, „deine Hand quer über deine Kehle“ zu ziehen, „den Daumen dicht an der Kehle, den Arm auf Ellbogenhöhe in waagerechter Stellung.“

In der Vergangenheit haben Mormonenführer gegen den Vorwurf der Kritiker argumentiert, dass Änderungen in der Tempelzeremonie vorgenommen worden sind. Unsere Untersuchung des Beweismaterials offenbart aber, dass ihre Aussagen nicht richtig waren. Am Ritual sind ernsthafte Änderungen vorgenommen worden und diese Änderungen sind darauf gerichtet gewesen, die Tatsache zu verdunkeln, dass die Strafen vom Freimaurertum abgeleitet wurden. Zum Beispiel ist es aus vielen früheren Quellen deutlich, dass das Versprechen, das gegeben wurde, wenn jemand „Das Erste Kennzeichen des Aaronischen Priestertums“ empfing, vom Gelöbnis abgeleitet wurde, das im „Ersten Grad“ des Freimaurerrituals abgegeben wird. In Temple Mormonism, 1931 veröffentlicht, S. 18, finden wir folgende Information in Bezug auf das Mormonenritual:

 

„Der linke Arm wird hier zum rechten Winkel erhoben, die Handfläche nach vorn, die rechte Hand und der Arm an den Hals erhoben, die Handfläche nach unten und der Daumen unter dem rechten Ohr.

Adam – ‚Wir, und jeder von uns, geloben und versprechen, dass wir keines der Geheimnisse dieses ersten Kennzeichens des Aaronischen Priestertums, samt seinem Namen, Zeichen oder Strafe preisgeben werden. Sollten wir es tun, stimmen wir zu, dass unsere Kehlen von Ohr zu Ohr durchgeschnitten und unsere Zungen an ihren Wurzeln herausgerissen werden.’…

Zeichen – Bei der Ausführung des Zeichens der Strafe wird die rechte Hand, Handfläche nach unten, rasch über die Kehle gezogen, dann aus dem rechten Winkel seitlich fallen gelassen.“

 

Die blutige Wesensart dieses Gelöbnisses im Tempelendowment wurde durch eine Fülle von Aussagen, die im Reed Smoot Case gemacht wurden, bestätigt. Zum Beispiel sagte J. H. Wallis Sen. in Bd. 2, Seite 78, aus: „…Ich stimme zu, dass meine Kehle von Ohr zu Ohr durchgeschnitten und meine Zunge bei ihren Wurzeln aus meinem Mund gerissen wird.“

Ein sehr wichtiger Brief ist ans Licht gekommen, der ebenfalls den blutigen Wortlaut dieses Gelübdes in füherer Zeit bestätigt. Er wurde von der Ersten Präsidentschaft der Mormonenkirche (Präsident Wilford Woodruff und seinen Ratgebern George Q. Cannon und Joseph F. Smith) an Lorenzo Snow, dem Präsidenten des Salt-Lake-Tempels geschrieben. Einige Monate bevor dieser Brief geschrieben wurde, berichtete Präsident Woodruff in seinem Tagebuch, dass er sich mit George Q. Cannon, Joseph F. Smith, Lorenzo Snow und anderen Kirchenbeamten – einschließlich Repräsentanten, die über vier Tempel präsidierten – getroffen hätte und „drei Stunden damit verbracht hätte, die verschiedenen Formen der Zeremonien, die im Endowment gegeben werden, in Einklang zu bringen“. (Wilford Woodruff’s Journal, 17. Okt. 1893, Bd. 9, S. 267) Der Brief wurde ungefähr zehn Monate nach dem Eintrag in Woodruffs Tagebuch geschrieben und enthält folgende offenbarende Information:

 

„Als Ergebnis der Konferenz der Brüder, die als Verordnungsarbeiter in mehreren Tempeln eingebunden waren, die vor einiger Zeit im Salt-Lake-Tempel abgehalten wurde, sind folgende leichte Korrekturen von uns angenommen worden…

In der Schöpfung am fünften Tag tritt ein grammatikalischer Fehler auf. Das Wort ‚ihre’ wird anstatt von ‚sein’ verwendet, deshalb ist das Wort ihre in sein geändert worden…

Die Worte ‚dass meine Zunge bei ihren Wurzeln aus meinem Mund gerissen wird’ wurden durch bei der Wurzel meines Mundes ersetzt.’“ (Brief von der Ersten Präsidentschaft, 31. August 1894, LDS Historical Department, CR 100, 14 #2, Band 8:16-17, maschinengeschriebene Kopie)

 

Irgendwann in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde eine Hauptänderung in Bezug auf die Strafen in der Endowmentzeremonie vorgenommen. Der blutige Wortlaut des Gelöbnisses, das oben erwähnt wird, wurde gänzlich entfernt. Trotzdem erhielten die Mormonen immer noch die Anweisung, ihre Daumen quer über ihre Kehlen zu ziehen, um die Strafe zu zeigen. Im Bericht des Rituals, den wir in Mormonism – Shadow or Reality? S. 468 veröffentlichten, kann der Leser sehen, wie der Wortlaut verändert wurde, um die schroffe Sprache in Bezug auf das Durchschneiden der Kehle und Herausreißen der Zunge zu entfernen:

„…möchten wir Sie eindringlich hinweisen auf den heiligen Charakter des Ersten Kennzeichens des Aaronischen Priestertums, samt seinem Namen, seinem Zeichen und seiner Strafe, genauso wie all der anderen Kennzeichen des Heiligen Priestertums, samt ihrer Namen, Zeichen und Strafen,… Sie sind höchst heilig und geschützt durch das feierliche Bündnis und die Verpflichtung der Geheimhaltung, so dass Sie sie unter keinen Umständen, nicht einmal unter Bedrohung des Lebens bekannt machen werden, außer an einem bestimmten Ort, der Ihnen nachher gezeigt werden wird. Die Darstellung der Ausführung der Strafen deutet verschiedene Arten an, wie das Leben genommen werden kann…

Adam, wir geben dir das Erste Kennzeichen des Aaronischen Priestertums…

Das Zeichen des Ersten Kennzeichens des Aaronischen Priestertums wird gemacht, indem man den rechten Arm rechtwinklig hebt, die Handfläche nach vorn, die Finger eng geschlossen und den Daumen abgespreizt. Das ist das Zeichen. Die Ausführung der Strafe wird dargestellt, indem der Daumen unter dem linken Ohr angelegt wird, die Handfläche nach unten gerichtet, und indem der Daumen schnell über die Kehle zum rechten Ohr gezogen und die Hand seitlich fallen gelassen wird…

Jetzt wiederholen Sie in Gedanken die Worte des Bundes, gleichzeitig stellen Sie die Ausführung der Strafe dar:

Ich, ________, (denken Sie an den Neuen Namen) gelobe und verspreche, dass ich das Erste Kennzeichen des Aaronischen Priestertums,  niemals preisgeben werde, samt seinem Namen, seinem Zeichen und seiner Strafe, lieber würde ich mir das Leben nehmen lassen.“

 

Diese revidierte Version, die eine Reihe von Jahrzehnten in Kraft blieb, schien mehr verwirrt als inspiriert zu sein. Die Mormonenführer wollten offensichtlich den höchst anstößigen Wortlaut loswerden, aber sie wollten immer noch an der Idee festhalten, dass eine Todesstrafe vorgesehen war, falls die Geheimnisse offenbart würden. Dass die Strafe für das Bekanntmachen des „Ersten Kennzeichens“ immer noch das Durchschneiden der Kehle war, wäre natürlich für diejenigen, die den Eid auf sich genommen hatten, bevor er geändert wurde, immer noch sehr deutlich, aber diejenigen, die ihr Endowment nach der Änderung der Zeremonie empfingen, mussten die ganze Sache irgendwie verwirrend gefunden haben. Während sie immer noch angewiesen wurden, dass die Strafe die wäre, „den Daumen rasch quer über die Kehle“ zu ziehen, und dass die Strafen die Art und Weise repräsentierten, „wie das Leben genommen werden kann“, müssen nicht mehr zustimmen, dass ihre „Kehlen von Ohr zu Ohr durchgeschnitten und ihre Zunge bei ihren Wurzeln aus meinem Mund gerissen werden“. Alles, was sie zu tun hätten, war zu versprechen „das Erste Kennzeichen... nicht preiszugeben… lieber würde ich mir das Leben nehmen lassen“.

 

Während einige Mormonen nicht genau realisiert haben mögen, was sie taten, als sie die Strafen auf sich nahmen, bemerkten die scharfsinnigeren, die dem Ritual sorgfältigere Aufmerksamkeit schenkten, was sie taten und viele von ihnen nahmen großen Anstoß. John Dart liefert folgende Information:

 

“Bei dem Versprechen, dass Ritual niemals preiszugeben, führten früher die Mormonen drei Bewegungen durch: die Hand rasch über die Kehle ziehen, eine weitere deutet an, dass einem das Herz herausgerissen würde und die dritte deutet auf eine Ausweidung hin.

‚Deshalb gehe ich auch nicht mehr zum Tempel, weil [das Ritual] so anstößig war’, sagte ein weibliches früheres Mitlied in Salt Lake City.

Die so genannten Strafgestiken wurden als ‚über ihre Nützlichkeit hinausgewachsen’ in einer Rede vor einem mormonischen Publikum vor ungefähr einem Monat von Keith Norman kritisiert…’Ich hatte keine Vorstellung davon, dass diese Änderung stattfinden sollte’, sagte Norman nachdem die Abänderungen eingeführt worden waren.“ (Los Angeles Times, 5. Mai 1990)

 

Die jüngste Entfernung der Strafen aus der Endowmentzeremonie durch die Mormonenführer ist von lieberalen Mormonen als ein Schritt in die richtige Richtung begrüßt worden. In seinem Artikel, veröffentlicht im Salt Lake Tribune, 29. April 1990, erzählte Vern Anderson von Ross Petersons Reaktion auf die Entfernung der Strafen: „Es [das Endowment] umfasst auch heilige Bündnisse… Symbolische Darstellungen der Strafen für ihr Nichteinhalten, die von einigen als schauerlich angesehen wurden, befanden sich unter den Weglassungen. ‚Es ist nicht mehr so schroff’, sagte Peterson von der neuen Version, ‚es ist aufbauender. Es ist weicher und sanfter.’“

 

Durch das Entfernen der Strafen aus der Endowmentzeremonie haben die Mormonenführer wichtige Spuren der Freimaurerei herausgenommen, die Joseph Smith aus dem Freimaurerritual geborgt hatte. Der Leser wird sich an den Artikel in der Los Angeles Times erinnern, der der zwei andere Strafen erwähnte, die aus dem Tempelendowment entfernt worden sind. Diese wurden ebenfalls von der Freimaurerei abgeleitet. Im „Zweiten oder Kameradschafts-Grad“ verpflichten sich Freimaurer „unter keiner geringeren Strafe als meine linke Brust aufreißen, und mein Herz und meine lebenswichtigen Organe herausnehmen, und über meine linke Schulter werfen und in das Tal Jehosaphat bringen zu lassen, um dort zur Beute für die wilden Tiere des Feldes und die Geier der Lüfte werden zu lassen… Das Zeichen wird gegeben, indem du deine rechte Hand flach, mit der Handfläche dicht auf deiner Brust, quer über deine Brust von der linken zur rechten Seite mit einer gewissen Geschwindigkeit ziehst und sie seitlich fallen lässt…“ (Freemasonry Exposed, S. 52-53)

 

Dieser Eid und die Strafe wurden in das Tempelendowment im „Zweiten Kennzeichen des Aaronischen Priestertums“ eingebunden:

 

„’Wir und jeder von uns gelobt und verspricht, dass wir die Geheimnisse dieses Zweiten Kennzeichens des Aaronischen Priestertums samt Name, Zeichen, Handgriff oder Strafe nicht preisgeben werden. Sollten wir es dennoch tun, stimmen wir zu, unsere Brust aufschneiden und unser Herz und unsere lebenswichtigen Organe aus unserem Körper nehmen und sie den Vögeln der Lüfte und den wilden Tieren des Feldes zu geben.’…

Das Zeichen wird gemacht, indem wir den linken Arm zum rechten Winkel erheben, die rechte Hand quer über die Brust, den Daumen abgespreizt und sie rasch von links nach rechts ziehen und sie seitlich fallen lassen.

 

Wie im Fall des „Ersten Kennzeichens des Aaronischen Priestertums“, wurde der anstößige Wortlaut vor einigen Jahrzehnten aus der Mormonen-Endowmentzeremonie gelöscht (siehe Mormonism – Shadow or Reality?, S. 470). Die „Ausführung der Strafe“ blieb aber bis April 1990 im Ritual erhalten.

 

Im „Dritten oder Maurermeister-Grad“ verpflichten sich die Freimaurer „unter keiner geringeren Strafe als meinen Körper in der Mitte in zwei Teile trennen, und nach Norden und Süden aufzuteilen und meine Eingeweide im Zentrum zu Asche verbrennen zu lassen… Das Zeichen der Strafe wird gegeben, indem die Hand auf die linke Seite der Eingeweide gelegt, die Hand offen mit dem Daumen dicht am Bauch, und quer über den Bauch gezogen und fallen gelassen wird; dies soll halbwegs schnell geschehen. Dies spielt auf die Strafe der Verpflichtung an: ‚meinen Körper zweiteilen zu lassen’, usw.“ (Freemasonry Exposed, S. 75-77)

 

Joseph Smith schloss diesen Freimaurerschwur in das “Erste Kennzeichen des Melchisedekischen Priestertums“ ein. Mormonen, die durch das Endowment gingen, wurden angewiesen, zu sagen, wenn sie „irgendeines der Geheimnisse dieses Ersten Kennzeichen des Melchisedekischen Priestertums preisgeben… wir zustimmen, dass unsere Körper in der Mitte auseinander geschnitten und all unsere Eingeweide ausgeschüttet werden“. (Temple Mormonism, S. 20) Diese anstößigen Worte wurden aus der Tempelzeremonie vor vielen Jahren entfernt, aber die Mormonen führten weiterhin das Zeichen der Strafe bis vor kurzem aus: „Das Zeichen des ersten Kennzeichens des Melchisedekischen Priestertums oder das Zeichen des Nagels wird gemacht, indem die linke Hand wie ein Schöpflöffel geformt vorgestreckt wird; die rechte Hand wird ebenfalls vorgestreckt, die Finger eng zusammen, und der Daumen über der linken Hüfte platziert. Das ist das Zeichen. Die Ausführung der Strafe wird dargestellt, indem der Daumen rasch über den Körper gezogen und die Hand seitlich fallen gelassen wird.“ (Mormonism -  Shadow or Reality?, S. 471) Schließlich, im April 1990 wurde diese Strafe gänzlich aus der Tempelzeremonie entfernt.

 

Wie wir gezeigt haben, empfing Joseph Smith die ersten drei Grade des Freimaurertums am 15. und 16. März 1842. Weniger als zwei Monate später (4. Mai 1842) brachte er die Endowmentzeremonien hervor (siehe History of the Church, Bd. 5, S. 1-2). Die Tatsache, dass die blutigen Gelübde in den Tempelzeremonien in genau derselben Ordnung erschienen wie in der Freimaurerei scheint sehr verdächtig. In beiden Fällen erwähnt das erste Gelöbnis, das Aufschlitzen der Kehle und das Herausreißen der Zunge. Das zweite sprach vom Aufschneiden der Brust, so dass Herz und inner Organe entfernt werden könnten und das dritte erwähnt die Ausweidung. Ferner wurden in allen drei Fällen dieselben Strafen demonstriert. Dies alles erscheint zu ähnlich, um ein Zufall zu sein.

Da viele von denen, die an den Endowmentzeremonien teilnahmen schon Freimnaurer waren, musste Joseph Smith einiges erklären. Er behauptete deshalb, dass er die Original-Tempelriten wieder herstellte, die von der Erde verloren gegangen waren. Smith erklärte weiter, dass die Freimaurerei, die behauptete, auf König Salomos Tempel zurück zu gehen, ursprünglich dieselben Rituale hatten, aber dass sie verderbt worden wären. Heber C. Kimball der später ein Mitglieder der Ersten Präsidentschaft der Mormonenkirche wurde, konnte nicht anders, als zwischen den beiden Zeremonien die Ähnlichkeit zu sehen. In seinem Buch Heber C. Kimball, S. 85, gibt Stanley B. Kimball folgende wertvolle Information: „Heber dachte, er sähe Ähnlichkeiten zwischen den Freimaurer- und den Mormonenritualen. In einem Brief an Parley P. Pratt, 17. Juni 1842, offenbarte Heber: ‚Wir haben einige kostbare Dinge durch den Propheten empfangen… es gib eine Ähnlichkeit mit dem Priestertum in der Freimaurerei. Brd. Joseph sagt, dass die Freimaurerei dem Priestertum entnommen wurde, aber dann degenerierte. Aber viele Dinge sind vollkommen.’ Später auf einer besonderen Konferenz… erklärte Heber weiter: ‚Wir haben das wahre Freimaurertum. Das Freimaurertum von heute wird aus dem Abfall empfangen, der in den Tagen Salomos und David stattfand.  Sie haben damals wie heute eine Sache, die richtig ist, aber wir haben die wirkliche Sache.’

 

Der Mormonenapologet E. Cecil McGavin schrieb: „Wenn wir den kriegerischen Geist manifestieren würden, den viele Freimaurer offen legen, könnten wir sagen, dass die Freimaurerei ein gefälschtes System ist, das von Salomons Tempel herkam. Zahlreiche Änderungen und Verderbtheiten haben sich eingeschlichen, dennoch blieb genug vom Original übrig, um ein wenig Ähnlichkeit mit dem wahren Endowment aufzuweisen… Im Tagebuch von Benjamin F. Johnson, einem innigen Freund und Mitstreiter Joseph Smiths, wird berichtet, dass ‚Joseph mir sagte, dass die Freimaurerei das abgefallene Endowment wäre, so wie eine sektiererische Religion die abgefallene Religion ist’.“ (Mormonism and Masonry, 1947, S. 199) Dr. Reed C. Durham, ein Mormonenhistoriker, der als Präsident der Mormon History Association gedient hat, wurde durch Beweise gezwungen zuzugeben, dass die Freimaurerei einen mächtigen Einfluss auf Joseph Smith hatte: „… Ich bin überzeugt, dass im Studium der Freimaurerei ein Kardinalschlüssel zum Verständnis Joseph Smiths und der Kirche liegt… Ich glaube, dass es einige bedeutende Entwicklungen in der Kirche gibt, die nach dem 15. März 1842 [der Tag, an dem Smith Freimaurer wurde] eintraten, die eine gewisse gegenseitige, freimaurerische Abhängigkeit hatten… Es steht in meinem Kopf absolut außer Frage, dass die Mormonenzeremonie, die als das Endowment bekannt wurde, von Joseph Smith mormonischen Freimaurern vorgestellt, eine direkte Inspiration vom Freimaurertum hatte. Dies soll nicht heißen, dass keine andere Quelle der Inspiration die Hand im Spiel gehabt haben könnte, aber die Ähnlichkeiten zwischen beiden Zeremonien sind so offensichtlich und überwältigend, dass eine gewisse abhängige Beziehung nicht verleugnet werden kann. Sie sind in der Tat so ähnlich, dass ein Schreiber sich dazu verleiten ließ, das Endowment als Celestiales Freimaurertum zu bezeichnen.“ (Mormon Miscellaneous, Oktober 1975, S. 13-14)

 

Einige Mormonenapologeten, die sich der verheerenden Parallelen zwischen Freimaurerei und dem Mormonen-Tempelendowment bewusst sind, glauben, dass, als Joseph Smith durch das Freimaurerritual ging, Gott ihm den Geist der Offenbarung gab, so dass er unterscheiden konnte, welche Teile wirklich auf den Tempel Salomos zurückgingen und welche Teile durch spätere Freimaurer verderbt worden waren. Der Prophet übernahm deshalb nur die echten gottgegebenen Elemente in die mormonische „Endowmentzeremonie“.

 

Nun, da die Mormonenführer die blutigen Wortlaute und die Strafen komplett aus dem Tempelritual entfernt haben, stellt es diese Apologeten vor die Hörner eines Dilemmas. Wenn Gott wirklich Joseph Smith anwies, die blutigen Gelöbnisse und Strafen vom Freimaurerritual zu übernehmen und in die Endowmentzeremonie einzufügen, wie können die heutigen Führer der Kirche, die angeblich durch Offenbarung geführt werden, sie aus dem Tempelritual herausreißen, ohne Gott zu beleidigen? Es scheint, dass entweder die heutigen Führer der Kirche das Gefühl haben, dass sie mehr wissen als der Gott, der angeblich zu Joseph Smith gesprochen hatte, oder sie erkennen, dass Smith einen ernsthaften Fehler beging, als er dieses peinliche Material von den Freimaurern entlehnte.

 

Die Aktion der Kirchenautoritäten, einige Elemente herausfallen zu lassen, von denen einst geglaubt wurde, dass sie „höchst heilig“ seien, wird ohne Zweifel einige ernste Fragen in den Köpfen vieler treuer HLT-Leute aufwerfen. Wenn Joseph Smith im Irrtum wäre, als er diese Dinge einbezog, dann ist es offensichtlich, dass wir keine Gewissheit haben, dass das andere Material, das er von den Freimaurern übernahm, wirklich inspiriert ist. Wenn ein Teil des Freimaurermaterials, dass er kopierte, sich als fehlerhaft herausstellt, wirft es einen Verdacht auf den Rest des Freimaurerrituals, das in das Endowment aufgenommen wurde, und da sich so viel Freimaurerei in der Zeremonie befindet, würde es einen zu dem Verdacht führen, dass die ganze Zeremonie menschengemacht ist. In Mormonism – Shadow or Reality? S. 484-492, präsentierten wir verheerende Beweise, die die  Mormonen-Tempelzeremonie mit der Freimaurerei verknüpfen. Die Parallelen sind zu eng, als dass man sie beiseite wischen könnte. Dieselbe Information wird in unserem neuen Buch Evolution of the Mormon Temple Ceremony, 1842-1990 einbezogen sein.

 

Diejenigen, die behaupten, dass die jüngsten Änderungen wirklich vorgenommen wurden, weil den Kirchenautoritäten Offenbarung gegeben wurde, sollten einen weiteren interessanten Aspekt in Bezug auf diese Frage in Betracht ziehen. Am 18. Feb. 1987 berichtete die kircheneigene Zeitung Deseret News, dass britische Freimaurer die blutigen Gelöbnisse aus ihren eigenen Zeremonien entfernten. „Enthauptung und das Herausreißen der Zunge sind von den britischen Freimaurern als Strafen für das Brechen des feierlichen Kodex der Geheimgesellschaft abgeschafft worden, wird berichtet. Solche Bestrafungen haben seit Jahrhunderten auf den Listen des Freimaurertums gestanden, um feierliche Verpflichtungen durchzusetzen, die Anwärter in die Freimaurerlogen auf die Bibel schwören müssen. Aber der Daily Telegraph sagte diese Woche, dass dies eine Art von Dingen sei, die die Leute vor dieser Geheimgesellschaft abschrecken.“

 

Wenn nun britische Freimaurer erkannten, dass ihre blutigen Gelöbnisse dazu neigen, „Leute vor ihrer Geheimgesellschaft abzuschrecken“ und sie sich entschieden, eine Änderung vorzunehmen, um sich dem gegenwärtigen Denken anzupassen, so scheint es sehr wahrscheinlich, dass die Führer der Mormonenkirche „die Handschrift an der Wand“ erkennen. Wenn dieser Prozess „Offenbarung“ genannt wird, dann ist es offensichtlich, dass die britischen Freimaurer die Offenbarung zuerst hatten.

Tempelarbeit

Dieses Kapitel wird später durch das gleichnamige Kapitel aus "Mormonismus - Schatten oder Wirklichkeit?" ersetzt
Der Tempel

Der Verfasser schildert seinen ersten Durchgang durch den Tempel. Hierbei werden der vollständige Endowmenttext aufgeführt und die Handlungen der damaligen Zeit (1974) beschrieben.
Tempelritual geändert

Dieser Artikel des Salt Lake City Messenger Nr. 75 schildert die großen Änderungen im Tempelendowment im April 1990 und beleuchtet die Hintergründe, die dazu geführt haben könnten.
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